Die Zeit als Baby und Kleinkind war nicht gut, die Mutter war dem Alkohol zugetan, der Vater meistens auf Montage. Bis das Jugendamt eingriff, nachdem der kleine Bernd wegen Unterernährung ins Krankenhaus eingewiesen werden musste. Die Mutter stirbt kurz danach, der Vater sechs Jahre später. Für Bernd wurde eine Heimgeschichte daraus, die vom 3. bis zum 21. Lebensjahr währte, mit Stationen in Bonn, Wuppertal und Uelzen. Darüber spricht er nicht gern und wenn man nachfragt, wie es ihm bei diesen Aufenthalten ergangen ist, antwortet er lediglich: „Geht so.“

Doch er macht eine Ausbildung zum Stahl-Betonbauer bis zum Arbeiterbrief, arbeitet in diesem Beruf, macht eine weitere Ausbildung zum Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik, erwirbt den Gesellenbrief und setzt einige Jahre später noch eine Umschulung zum Technischen Produktdesigner im Maschinenanlagenbau drauf. Das spricht für Qualität, doch gibt es immer wieder Löcher in seinem Lebenslauf. Vielleicht wegen einer Rückenerkrankung, die seine Bandscheiben angreift, so dass er heute mit zwei Wirbelkörperimplantaten, einer künstlichen Bandscheibe und zwei zwölf Zentimeter langen Stangen im Rücken herumläuft und inzwischen zu 60 Prozent schwerbehindert ist. Vielleicht auch aus anderen Gründen.
Doch so richtig haut es ihn aus den Schuhen, als ihm zum 1. Oktober 2024 seine Wohnung im Betreuten Wohnen der Eingliederungshilfe in Hamburg-Jenfeld gekündigt wird. Er, so sagt er, der früher hauptsächlich Bier konsumiert habe, steigt mehr und mehr auf harten Alkohol um. Er lebt zeitweise in einem Hotel, das das Jobcenter im Rahmen der Grundsicherung bezahlt, dann im Jakob-Junker-Haus der Heilsarmee. In der Asklepios Klinik Nord im Hamburger Stadtteil Ochsenzoll macht er einen Entzug und seine Medikamente werden umgestellt. Bis er im Pik As landet.
Wie es ihm hier geht? „Gut“, sagt er, „solange ich keinen Alkohol trinke“. Denn sonst sei das Geld vom Jobcenter weg und man hätte nichts mehr übrig, um sich mal etwas zu Essen zu kaufen, wenn es nötig sei. Oft nutzt er aber auch die Gelegenheit zum Mittagstisch im CaFée mit Herz am Hafen oder zur Suppenausgabe des Fördervereins PIK AS. „Vergangenen Dienstag gab es im Pik As Zucchini-Suppe und am Mittwoch Hühner-Suppe mit Nudeln, beides sehr gut. Und neuerdings auch geschmierte Brote mit leckerem Aufschnitt. Ich bin froh, dass die Stadt so etwas wie das Pik As anbietet und es den Förderverein gibt.“

Vor wenigen Tagen ist Bernds Freund Volker im Pik As gestorben. „Ein trauriges Zusammenspiel von einer Alkoholvergiftung und einem epileptischen Anfall,“ mutmaßt Bernd. Er selbst sei aber seit zehn Tagen wieder trocken und für die kommende Woche zum Qualifizierten Entzug im UKE angemeldet. Eine Behandlung, die eine körperliche Entgiftung mit psychologischen Gesprächen, sozialer Beratung und Vorbereitung auf eine langfristige Therapie verbindet.
Als Bernd den Reporter nach dem Gespräch ein Stück weit begleitet, bleibt er vor einer kleinen Gedenktafel auf dem Empfangstresen einen Moment stehen: „Soll es mir so gehen wie meinem besten Freund Volker. Ich sage nein.“





















